Destiny 2: Die Hexenkönigin im Test – Lohnt sich der (Wieder-)Einstieg?

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Destiny 2 hat mit The Witch Queen die jährliche große Erweiterung bekommen. Diesmal dreht sich alles um die namensgebende Hexenkönigin Savathûn, die schon lange im Hintergrund ihre finsteren Pläne schmiedet. Was euch alles erwartet und für wen sich ein (Wieder-)Einstieg lohnt, erfahrt ihr in unserem FAQ-Test.
Kurzgesagt: Das gibt’s Neues!

In Witch Queen dreht sich alles um die Antagonistin Savathûn und ihre Schar. Das Problem: Die Destiny-Fans wohlbekannte Göttin der Lügen hat es geschafft, das Licht zu stehlen, also die Energie, die auch den Hüter*innen ihre magischen Kräfte verleiht. Einige ihrer Untergebenen können daher die gleichen Fähigkeiten benutzen wie wir – inklusive Wiederbelebung! Das macht sie natürlich zu einer Bedrohung, die es aufzuhalten gilt.

Wie immer könnt ihr die Missionen allein oder im Einsatztrupp mit bis zu drei Spielenden angehen. Je nachdem werden Gegneranzahl und Schwierigkeit angepasst. Außerdem gibt es diesmal den neuen legendären Schwierigkeitsgrad für alle Missionen, der Wiederspielwert bietet. Mehrfache Durchgänge sind spielerisch sinnvoll, denn wenn ihr alle Einsätze auf Legendär abschließt, gibt es besondere Belohnungen, die auch wirklich einen guten Anreiz bieten.
Witch Queen gehört zu den besten Kampagnen, die es im Destiny-Universum bisher gab und macht sogar The Taken King aus Destiny 1 Konkurrenz. Das liegt daran, dass es sich wirklich nach einer zusammenhängenden Geschichte anfühlt, die fast ausschließlich auf klassischen Missionen basiert. Bungie schickt uns diesmal nicht auf Grinding-Tour, um “100 Gegner mit Waffe X” zu töten. Die Story geht flott voran und fühlt sich mehr nach einer normalen Solo-Kampagne an, als alle anderen Kampagnen vorher. Außerdem fällt sie mit 8 Stunden auf dem normalen Schwierigkeitsgrad spürbar umfangreicher aus, als es Destiny-Fans gewohnt sind.
Auch die Geschichte ist eine große Stärke. Die Handlung wird spannend erzählt und profitiert für Fans des Spiels von dem fortlaufenden Storytelling der vergangenen Seasons, da mehrere Story-Fäden zufriedenstellend zusammengeführt werden. Gerade gegen Ende zieht die Inszenierung an und macht trotz befriedigendem Ende ein spannendes Fass auf, aus dem Destiny 2 in Zukunft viel schöpfen kann.

Was die Inhalte außerhalb der Kampagnenmissionen angeht, bleibt sich Destiny treu. Wenn euch das Spielprinzip als Singleplayer-Fan bisher eher abgeschreckt hat, müsst ihr mit euch selbst ausmachen ob eine gute Kampagne mit mindestens 8 Stunden Spielzeit und gegebenenfalls einem zweiten Durchlauf 40 Euro wert sind. Andere große Neuerungen wie das Waffen-Crafting entfalten sich erst, wenn ihr wirklich Zeit ins Lategame investiert.
Die Geschichte ist die größte Stärke des neuen Addons und wird oft in schicken Zwischensequenzen erzählt.
Eines der größten Probleme von Destiny 2 ist die Einsteigerfreundlichkeit. Neue oder wiederkehrende Spieler*innen sind gerne erstmal überfordert von Begriffen, Aktivitäten und der flickenteppichartigen Erzählweise. Das könnte euch auch bei Witch Queen drohen, denn der grundlegende Aufbau und das Questsystem ändern sich nicht.
Allerdings versucht Bungie, Neulingen etwas entgegenzukommen. Beispielsweise ist die Story-Kampagne diesmal übersichtlicher und das kommt auch Einsteiger*innen zugute. Der oben erwähnte, sehr klassische Aufbau ohne Grind-Ausflüge zwischen den einzelnen Missionen ist viel weniger verwirrend. Dazu kommen kleinere Verbesserungen in der UI. Bei den überarbeiteten Leere-Fähigkeiten werden jetzt z.B. wichtige Gameplay-Effekte wie “Unterdrücken” gut sichtbar erklärt.
Allerdings sind grobe Story-Kenntnisse zum Destiny-Universum hilfreich. Wenn ihr überhaupt nicht wisst, wer der Reisende ist und was es mit dem Licht auf sich hat, könnte es Verständnisprobleme geben. Tiefere Lore-Kenntnisse als das braucht es allerdings nicht, um der Handlung folgen zu können.
Grundsätzlich ist Witch Queen ein guter Einstiegspunkt, da euch die Kampagne angenehm durch die grundlegenden Mechaniken führt und spannende, klassische Missionen bietet, wie ihr sie aus anderen Story-Shootern kennt. Waffen-Crafting, Exotische Quests und das Grinden nach Loot könnt ihr vollkommen unbeirrt erstmal links liegen lassen und euch stattdessen ganz auf die Missionen konzentrieren.
Die neuen Glefen sind eine Mischung aus Speer und Schusswaffe. Außerdem können sie einen Schild vor euch erschaffen.
Das normale Shooter-Gameplay ändert sich hauptsächlich durch die neue Waffengattung “Glefe” und die überarbeiteten Leere-Klassen. Beides revolutioniert Destiny 2 nicht, sorgt aber für mehr Abwechslung.
Glefen bieten eine Mischung aus starken Nahkampfangriffen, Fernkampfwaffe und Schild. Ihren Platz in der Meta müssen sie in den nächsten Wochen und Monaten erst finden, für den Anfang fühlen sie sich aber angenehm frisch an und machen Spaß, wenn ihr euren Feinden gerne aus der Nähe in die Augen seht.
Die neuen Leere-Klassen funktionieren nicht mehr über die bisherigen drei Pfade mit vorgegebenen Perk-Kombinationen. Stattdessen kommt das System zum Einsatz, das 2021 mit Stasis eingeführt wurde. Wir können unsere Supers, Fähigkeiten und einzelne Eigenschaften viel individueller zusammenstellen. Einige Skills wurden zudem verändert oder sind komplett neu. Auch erfahrene Leere-Fans haben also wieder etwas zum Tüfteln. Zwar gibt es von erfahrenen Spieler*innen noch Kritik am Balancing der Hunter, die im Vergleich zu Warlocks und Titans weiterhin starke Support-Fähigkeiten für das gesamte Team vermissen lassen, aber davon werdet ihr in normalen PvE-Aktivitäten, Gambit und PvP kaum etwas merken.
Das Bauen von Waffen ist potentiell ein mächtiges neues Feature, das aktuell noch unter kleineren Macken leidet.
Destiny 2 ist in erster Linie ein Loot-Shooter, und grinden, also die langwierige Jagd nach der perfekten Waffe oder Rüstung, gehört zur Tagesordnung. Das ändert sich auch mit der Hexenkönigin wenig, wird aber aufgeweicht.
Für einige der neuen Waffen, wie beispielsweise die Glefen, könnt ihr im Laufe des Spiels Baupläne finden. Habt ihr einen davon ergattert, geht es damit zum Relikt, der neuen “Waffenbaumaschine”. Hier könnt ihr eine Basisversion der jeweiligen Waffe erschaffen. Zu Beginn habt ihr nur wenige Perks und Eigenschaften zur Auswahl. Um die gesamte Palette an Möglichkeiten freizuschalten, müsst ihr Kills mit der Waffe machen und so ihr Level steigern. Grinden ist also auch hier ein Thema, aber eben mit einem konkreten Ziel und nicht basierend auf purem Glück. Das motiviert.
Perfekt ausbalanciert ist das Ganze noch nicht. Zum einen, weil die Menge der Resonanzressourcen, die ihr zum craften braucht, im Inventar ein auffällig niedriges Maximum haben. Zum anderen, weil die verbesserten Perks, die selbstgebaute Waffen von der Stangenware abheben sollen, bisher kaum der Rede wert sind.
Das Relikt ist potenziell eine enorme Hilfe für diejenigen, die auf den idealen “God-Roll” aus sind. Gerade bei seltenen Waffen kann es extrem frustrierend werden, wenn man beispielsweise eine Season lang immer und immer wieder Dämmerungs-Strikes wiederholt, aber der geliebte Palindrom-Revolver einfach nicht mit den gewünschten Perks dropt. Die angesprochenen Probleme lassen sich in der Theorie gut per Patch beheben, so Bungie denn will.
Ende 2020 wurde die “Destiny Content Vault” eingeführt. Hinter diesem virtuellen Tresor verbirgt sich die Tatsache, dass Bungie angefangen hat, ausgewählten Content aus dem Spiel herauszunehmen und vorerst auf Eis zu legen. Der Grund ist dabei erstmal nachvollziehbar: Destiny 2 wurde zu groß. Das betraf nicht nur den nötigen Speicherplatz, sondern auch die Masse an Content, die das Spiel noch unübersichtlicher machte, als es ohnehin schon ist. Besonders, da Destiny 2 noch über viele Jahre mit neuen Erweiterungen versorgt werden soll, muss Bungie ausmisten.
Allerdings betrifft es in diesem Jahr auch die Wirrbucht und deren Kampagne, die mit der kostenpflichtigen Forsaken-Erweiterung 2018 dazukamen. Es wurden also Inhalte aus dem Spiel genommen, die für alle Geld gekostet haben. Ob, wann und in welcher Form die Wirrbucht  zurückkehrt, lässt sich nicht sagen. Genau das könnte in Zukunft auch Inhalten aus Witch Queen drohen. Die Wirrbucht war über drei Jahre lang im Spiel aktiv. Gut möglich, dass auch die Thronwelt ein ähnliches Ablaufdatum haben könnte – es sei denn, Bungie findet eine alternative Lösung. Das wäre zu diesem Zeitpunkt aber pure Spekulation.

Quelle: www.gamepro.de